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Kunstprojekt auf der Feuerinsel

Inspiration
Island

Text: Annemarie Schneider
Fotos: Dirk Krüll
Ecke
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ca. 7 Minuten

Der vielfach preisgekrönte Fotograf Dirk Krüll ist für Aufnahmen seines Kunst­projekts „Plastic Army“ nach Island gereist. Dort hat er an entlegenen Orten mit eindrucksvoller Landschaft seine Fotoinstallationen in Szene gesetzt. Die über­wältigende Natur der Feuerinsel bereitet die Bühne für eine wichtige Botschaft: die Invasion von Kunststoff in die letzten Naturparadiese.

Meterhohe Heißwasserfontänen der Geysire, Lava speiende Vulkane, riesige Eis- und Gletscher­massen, schroffe Felswände an hohen Bergketten und weite sattgrüne Auen: Die Urgewalten der Natur auf Island beflügeln die Fantasie der Menschen und hinterlassen bei Besuchern einen nachhaltigen Eindruck. Auch bei Fotograf Dirk Krüll ist der Funke sofort übergesprungen. Als er auf der Suche nach geeigneten Kulissen für sein aktuelles Projekt „Plastic Army“ war, ist er auf der Insel fündig geworden.

Auf Expedition im Subaru

Obwohl er in den mehr als vier Jahrzehnten seiner beruflichen Laufbahn schon viele Länder auf der Welt bereist hat, ist für ihn der Trip nach Island im August ein Besonderer gewesen. „Einerseits war die Aufenthaltszeit von einem Monat für die Vorbereitungen und Realisierungen der Shootings relativ kurz – und dann kam vor Ort noch das typische, unbeständige isländische Wetter als Herausforderung hinzu. Andererseits bietet diese Insel so viele unterschiedliche Landschaften und sehr schönes Licht durch die langen Tage im Sommer. Unser Lohn waren am Ende fünf verschiedene Motive.“ Sein unverzichtbarer Begleiter bei den Expeditionen: ein weißer Subaru Forester. Mit ihm haben er und sein Team alle Hindernisse überwunden. „Der verlässliche Allradler hat mich sowohl über Straßen und Schotterpisten als auch durch Flüsse und unwägbares Gelände an die Zielorte gebracht“, freut sich der Abenteurer.

Impressionen einer anderen Welt

Auf langen Wanderungen hat Dirk Krüll bleibende Erinnerungen gesammelt. Dabei hat er durch die Ruhe und Einsamkeit auf seinen Touren im menschenleeren Hochland frische Kraft getankt. Denn die Landschaften schienen nicht nur wie aus einer anderen, schöneren Welt. Wenn das oft stürmische Wetter nachgelassen hat, haben sich ihm auch ganz neue Perspektiven eröffnet. Er schreibt dazu etwa in seinem Facebook-Tagebuch: „Der Himmel reißt auf. … Der Blick von der Hochebene auf den bunten Gebirgszug scheint wie durch einen Photoshop-Malfilter versüßt. …“ Aber nicht nur die Einsamkeit hat der Fotokünstler gesucht. Sogar von Touristen stark frequentierte Orte haben den gelernten Fotografen in den Bann gezogen. Dazu gehört der „Gullfoss“, den er zu seinem Lieblingswasserfall gekürt hat. Dieser ist mit den benachbarten Geysiren ein Teil des sogenannten Goldenen Rings und zählt damit zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands.

Die Kunst, Welten zu formen

Die meiste Zeit war Krüll jedoch mit seinen Installationen abseits der Touristenströme beschäftigt. Und das hat bereits in Deutschland einiger Vorbereitungen bedurft. Ermöglicht durch den Künstleraustausch seines Düsseldorfer Kunstvereins VdDK mit dem isländischen Kunstverein SIM, mit einem Konzept und vielen Ideen im Kopf (sowie mit allerhand Plastikutensilien im Übergepäck), haben er und seine Assistenten sich auf die Reise gemacht. Schließlich sollen die Bilder eine Geschichte in klarer, ästhetischer Sprache erzählen.

Kunst mit und in der Natur

Das Projekt „Plastic Army“ widmet sich der Plastikvermüllung. In einem Zyklus von geplant 15 Motiven inszeniert Dirk Krüll die Durchdringung und Verbindung mit der Umwelt mittels künstlerischer Installationen. Zu sehen sind derzeit die vier Bilder aus dem ersten Zyklus vom Fotoshooting auf Mallorca und in der Eifel mit den Titeln „Invasion Sea“, „Invasion Coast“, „Invasion Dune“ und „Occupation Creek“. Besucher des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) konnten sich davon in einer Ausstellung ein Bild machen. Veröffentlicht wurden Bilder der „Plastic Army“ auch in Zeitschriften wie Marie Claire, Les Echos und Monopol. Dass die Fotos ihre Wirkung entfalten, bestätigen Auszeichnungen wie die Prämierung mit Gold in der Kategorie Fine Art beim „One Eyeland Award 2017“ sowie beim „PDN Photo Annual Award 2018“. Die jüngste Anerkennung für Dirk Krüll: die Verleihung des Staatspreises Manufactum NRW 2019 in der Kategorie Medien.

Inszenierung voller Widersprüche

Gleichwohl haben er und seine beiden Begleiter gerade beim Aufbau der einzelnen Motive so manche Herausforderung meistern müssen. Ein Kraftakt war zum Beispiel das Herausziehen von Eisblöcken nachts aus dem Meer auf den schwarzen Sand des Strands. Kaum war das geschafft, galt es, stundenlang Löcher ins Eis zu bohren, um Strohhalme hineinzustecken und effektvoll zu beleuchten – und das alles, bevor die Flut kam. Oder ein Geduldsspiel: das Warten auf das Abflauen von Böen mit einer Geschwindigkeit bis zu 60 Kilometern pro Stunde, um an heißen, schwefeligen Schlammquellen Plastikschüsseln auf Stöcken befestigen zu können. Fast schien es so, als ob diese so unberührte Natur sich selbst einer noch so kurzen Inszenierung widersetzen wollte. Ebenso sorgfältig, wie die Alltagsgegenstände aus Kunststoff arrangiert wurden, erfolgte danach natürlich das Einsammeln bis zum letzten Stück.

Von der Ästhetik der Realität

Alle Bilder aus Island haben damit aber eine ebenso wichtige wie zunehmend drängende Botschaft: die Landnahme durch Plastik. Wie eine heimliche Armee überzieht Kunststoff jeden noch so entlegenen Winkel der Erde. Zum einen verfolgt Krüll damit wie bei allen seinen Bildern das Ziel, Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Zum anderen will er speziell bei der „Plastic Army“ dem Betrachter Freiräume für eigene Interpretationen lassen. Die inszenierten Welten sollen vor allem durch ihre skurrile und hintergründige Wirkung zum Denken anregen. Doch sind seine Bilder nicht fast ein wenig „zu schön“? „Generell haftet der Fotografie stets eine gewisse Ästhetik an, sogar wenn sie hässliche Sachverhalte und Situationen einfängt“, sagt Krüll. Das gelte für alle seine Werke – vom kunstvoll inszenierten Autokalender über die journalistischen Bildreportagen bis hin zu Fotos aus dem Alltagsleben im Ruhrgebiet, und eben auch bei der „Plastic Army“ auf Island. „Die Botschaft entsteht dann bei jedem einzelnen Betrachter im Kopf – und ich kann nur hoffen, damit den richtigen Denkanstoß zu geben.“Ende des Artikels

Der Künstler

„Plastic Army versucht, das Unbehagen über unseren verantwortungslosen Umgang mit der Natur sowie die Vergeudung unserer vorhandenen Ressourcen auf spielerische und ästhetische Weise am Beispiel Plastikmüll zu thematisieren“, das schreibt Dirk Krüll über sein Kunstprojekt. Krüll absolvierte zunächst eine Fotolehre, besuchte dann die Kunstakademie in Hamburg und erlangte sein Diplom zum Kommunikationsdesigner auf der Folkwangschule. Es folgten Aufträge für viele große Magazine wie Geo, Stern oder das FAZ Magazin sowie Kundenaufträge etwa für Kalender, Buchillustrationen oder Architekturaufnahmen. Themen seiner freien Kunstprojekte waren unter anderem die Folgen der Industriearbeit im Ruhrgebiet, in China und der Mongolei.
www.dirk-kruell.de

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