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Zweiter Frühling für die Subaru-Pioniere

Aller Allrad Anfang

Text: Manuel Eder
Fotos: Jörg Schwieder
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ca. 6 Minuten

Die Oldtimer von Franz-Josef Helmig sind Schmuckstücke und Zeitzeugen: Mit diesen Modellen der Baureihe 1800 4WD ging die damals reichlich exotische japanische Marke an den Start. Boxer-Motor, Allrad, digitales Cockpit – unerhört! Und wie im echten Leben darf bei diesem Familientreffen auch ein Überraschungsgast nicht fehlen.

Der zweite Frühling für seine Subaru-Veteranen war Franz-Josef Helmig fast schon ein wenig zu einfach: „Eigentlich faszinieren mich ja das Schrauben und die Herausforderung an dieser klassischen Automobiltechnik, aber vielleicht sollte ich dann nicht ausgerechnet Subaru sammeln“, witzelt der passionierte Sammler. „Als ob für uns nach 27 Jahren als Subaru-Händler eine andere Marke in Frage kommen würde“, meint seine Frau und gießt Kaffee nach. Entschleunigung ist angesagt, wenn die Helmigs mit ihren drei historischen Subaru-Oldtimern auf große Fahrt gehen: Kaffeekränzchen in der offenen Heckklappe des 1800er-Kombi beim Fototermin für die DRIVE inklusive.

Sorgfalt ja, Samthand­schuhe nein

Dabei haben seine Subaru-Klassiker der 1800er-Baureihe schon knapp 40 Jahre auf der Uhr und könnten daher mit Nachsicht für das eine oder andere mechanische Zipperlein rechnen. „Technisch gesehen war beim Allradantrieb, beim Automatikgetriebe und natürlich beim Boxer-Motor kaum mehr als eine große Inspektion fällig, der Rest war im Grunde Optik“, sagt Helmig, der es als Kfz-Meister und Subaru-Spezialist wissen muss. Sorgfalt ja, Samthandschuhe nein – daher sind seine Subaru-Oldies auch mit den Helmigs an Bord regelmäßig auf Tour. „Solche Autos gehören nicht in die Garage, sondern auf die Straße“, sagt er. Die Fahrt ins Blaue am Wochenende oder die Teilnahme an einem Oldtimer-Treffen sind eine willkommene Pause vom Alltag, die die beiden sehr schätzen.

Solche Autos gehören nicht in die Garage, sondern auf die Straße.
Anführungszeichen

Solche Autos gehören nicht in die Garage, sondern auf die Straße.

AnführungszeichenFranz-Josef Helmig

Exotischer Neuling aus Japan

Mit etwas mehr Ehrfurcht nähert sich das DRIVE-Team dann doch, schließlich stehen hier zwei echte Zeitzeugen der Subaru-Geschichte vor uns. Nach dem offiziellen Deutschlandstart der Marke im Jahr 1980 war es die Baureihe 1800 4WD, die ab 1981 in den Schauräumen als exotischer Neuling aus Japan mit Allrad und Boxer für Aufsehen sorgte. Unter dem etwas klingenderen Namen „Leone“ war das Modell schon seit einigen Jahren in anderen Ländern zu haben. Aber erst mit geglätteten und etwas europäisierten Linien wagte Subaru den Start auch hierzulande. Mitgebracht hat Helmig das dreitürige Schrägheckmodell „SRX“ (später „Turismo“ genannt) und die größere der beiden angebotenen Kombi-Varianten, den „Subaru 1800 4WD Super Station“.

Charmante Nostalgie

Wenn Franz-Josef Helmig (oben) eine Zeitreise machen möchte, muss er sich nur ans Lenkrad setzen: Der Dreitürer „1800 4WD Turismo“ als Automatik war für 19.200 D-Mark zu haben, für den „Super Station“ – ebenfalls mit Automatik – waren 22.700 Mark fällig. Dafür war die Serienausstattung üppig. Auf Wunsch konnte man sich noch Metallic-Lackierung (250 DM) und das Panorama-Dach (450 DM) leisten. Das „computerisierte Armaturenbrett“ war die Sensation im Topmodell „Super Station“.

Überraschungsgast

Der BRAT mogelt sich aufs Familienfoto. Doch auch er gehört zur 1800er-Familie und wurde für die USA entwickelt. Hier macht der BRAT (übersetzt etwa Lauser, Göre) seinem Namen alle Ehre: Zwei Klappsitze und Teppich auf der Ladefläche machten ihn damals beim Import von Japan in die USA frech zum „Pkw“ mit 2,5 % Einfuhrzoll statt „Kleinlaster“ mit satten 25 % Importabgabe. In Deutschland war er nie zu haben und sogar in die Marken-Heimat Japan mussten Fans den BRAT als Grauimport holen.

Das „computerisierte Armaturenbrett“ war die Sensation im Topmodell „Super Station“.

Dornröschen in der Garage

Den kompakten Turismo mit schickem Schrägheck hatte Helmig als Zufallsfund für 350 Euro aus dem jahrelangen Dornröschenschlaf in einer Münsteraner Garage geholt. Der Hatchback war ein Tipp eines befreundeten Oldtimer-Sammlers. Ein bisschen was zu tun gab es dann aber doch für das Vater-Sohn-Projekt mit Junior Thomas, seines Zeichens Metallbauer. Schweller und Radläufe waren nach den Jahrzehnten dann doch ein wenig korrodiert, die eine oder andere Delle sowie ein Seitenschaden wollten auch noch fachmännisch behoben werden. „Dank des damals direkt in Bremerhaven nach der Ankunft der Fahrzeuge aufgebrachten Rostschutzes war der Zustand aber bemerkenswert gut“, erinnert sich Helmig. Umso mehr Liebe konnten die beiden in die Restaurierung der Optik stecken: Heute glänzen alle drei im originalen Moosgrün-Metallic-Lack inklusive der weiß lackierten Stahlfelgen.

Futuristisch in Serie

Genau dieser Auftritt ist es auch, der heute den beiden japanischen Oldtimer-Exoten staunendes Publikum bei Oldtimer-Treffen beschert. Was heute als Kuriosität für Schmunzeln sorgt, war damals nicht weniger als eine Sensation. Das Cockpit zum Beispiel war mit seinen Digitalanzeigen geradezu futuristisch: ein elektronischer Drehzahlmesser, digitaler Tacho und ein Bordcomputer? Unerhört! Elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Stereolautsprecher und Velours-Ausstattung: luxuriös! Parkschutz mit Stoßstangenhörnern aus Gummi und Wisch-Wasch-Anlage an der Heckscheibe? Clever! Das Markenzeichen von Subaru, Allradantrieb und Boxer-Motor, war natürlich auch schon mit an Bord. Aktiviert wurde die Kraft der vier Räder durch Ziehen am entsprechenden Wählhebel zwischen den Vordersitzen. Zur Wahl standen zudem schon damals neun Lackfarben, unter anderem „Astral Gold“ und „Moosgrün“.

Zeitreise im MIK

Die Subaru-Oldtimer waren zu Gast im Museum Industriekultur Osnabrück – kurz: MIK. Die Ausstellungen dort beschäftigen sich mit dem Dreiklang aus Mensch, Natur und Wirtschaft in den letzten eineinhalb Jahrhunderten. „Eigentlich ist das ganze Gelände mit seinen zwei durch einen Stollen verbundenen Standorten unser größtes Exponat“, erklärt Geschäftsführerin Dr. Vera Hierholzer (Foto). „Heute ist die ehemalige Kohlezeche ein Ort des Lernens und der Begegnung.“ Die Oldtimer durften wir rund um die Magazingebäude, den ehemaligen Pferdestall und die Kohlenwäsche aufstellen. Franz-Josef Helmig war hier schon oft zu Gast, denn das MIK hat sich als Treffpunkt nicht nur für technikbegeisterte Museums­besucher, sondern auch als Gastgeber für Oldtimertreffen einen Namen gemacht – gleich nebenan sind übrigens die Eisenbahnfreunde mit ihren historischen Schienen­fahrzeugen gute Nachbarn. Im MIK haben Leidenschaft und Faszination für Technik und Historie ihr Zuhause gefunden.

Nicht verpassen: Die Sonderausstellung „Über Wasser“ beschäftigt sich historisch, künstlerisch und spielerisch mit dem Element unseres Lebens.
Mehr unter: www.mik-osnabrueck.de

Und hier geht’s zur Online-Ausstellung:
www.mik-osnabrueck.de/mik-digital/onlineausstellung/

Der Flegel und seine Braven Brüder

„Aber wissen Sie, eigentlich ist der Lümmel da drüben mein aktueller Liebling“, lacht Helmig und deutet auf den BRAT, den er ebenfalls mitgebracht hat. Der Pick-up hört auf den etwas exzentrischen Namen „Bi-drive Recreational All-terrain Transporter“ und kürzt sich ab zu „BRAT“ – was zugleich das englische Wort für „Lausebengel“ oder „Göre“ ist. Und ungefähr so frech gibt sich der Pick-up auch! Er stammt ebenfalls aus der 1800er-Baureihe wie seine braven Brüder, wurde aber offiziell in Deutschland nie angeboten. Das wäre dann doch etwas zu gewagt gewesen für die junge Marke aus Japan. Die extravagante Karosserieversion war ursprünglich auf Initiative von Subaru USA entwickelt worden und war sogar auf der Ranch eines amerikanischen Präsidenten im Einsatz. Natürlich konnte Franz-Josef Helmig bei diesem kuriosen Oldtimer-Juwel nicht widerstehen, auch wenn beim frechen Flegel von Subaru bei der Restaurierung deutlich mehr zu tun war als bei den beiden Musterknaben: „Den BRAT mussten wir komplett zerlegen, alle Teile sandstrahlen und dann wieder zusammensetzen“, erzählt Helmig von seinem jüngsten Projekt.

Dieser besondere Subaru-Moment

Dennoch hatte er auch mit seinem „BRAT“ wieder diesen einen Subaru-Moment. „Als ich dieses Fahrzeug bei einem Händler-Kollegen in Duisburg holte, meint der zu mir: Vergiss es, der stand jetzt eineinhalb Jahrzehnte in der Garage, der springt dir nie und nimmer an.“ Das werden wir ja sehen, dachte sich Franz-Josef Helmig, füllte Benzin auf und überbrückte die Batterie. „Und was soll ich sagen, der BRAT sprang sofort an und lief wie eine Eins – ein echter Subaru ist eben unverwüstlich.“Ende des Artikels

Kinder, wie die Zeit vergeht!

Bei der Lektüre der 40 Jahre alten Original-Prospekte darf geschmunzelt werden. Unglaublich, wie sich die Technik (und der Geschmack) seit damals entwickelt hat. So reimt der Prospekt von 1983 fröhlich: „Technik von morgen für Leute von heute!“ – und geht an anderer Stelle ins Detail: „Die Subaru sind auf den ersten Blick erkennbar an den schwarzen Kunststoff-Stoßstangen mit Stahlkernverstärkung sowie Gummihörnern als Parkschutz.“ Wer sich nicht nur mit dem „Abenteuer Einparken“ zufriedengeben wollte, konnte auch in die Werkstatt fahren, um die Bodenfreiheit vom Mechaniker von 210 auf 240 mm verstellen zu lassen. Im Cockpit fühlte sich mancher fast wie in einem Raumschiff: „Das computerisierte Armaturenbrett mit Digitalanzeige: Große leuchtende Ziffern geben Auskunft über Drehzahl und Geschwindigkeit – am Tag in Weiß und bei Nacht in Orange.“ Die im alten Prospekt gezeigte Limousine „1800 Sedan 4WD“ im geschmackvollen „Astral Gold“ fehlt noch in der Sammlung von Franz-Josef Helmig. Dabei ist sich der Prospekt sicher: „Eine Limousine, mit der Sie sich überall sehen lassen können.“

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