‹ Zurück zum Presseportal
Inhalt
Zu Gast in der Greifvogelstation Hellenthal

Meister der Lüfte

Majestätisch, mystisch, magisch: Einem so legendären Greifvogel so nahe kommen zu dürfen, lässt niemanden unberührt. Wir hatten das Glück und die Ehre, in Hellenthal mit Adler Aika die Schwingen ausbreiten zu dürfen. Erlebt haben wir dabei die besondere Leidenschaft und das tiefe Verständnis zwischen Mensch und Tier, die diesen Ort in der Eifel so besonders machen.

Heute schon eine Eule bekommen? Wären Sie jetzt Teil der magischen Welt von Harry Potter und der berühmten Zauberschule Hogwarts, würden Sie sich auf die „Eulen-Post“ im großen Speisesaal freuen. Dutzende Schnee-Eulen fliegen durch die Fenster des Internats, kreisen über den aufgeregten Zauberlehrlingen, bringen Briefe und verschwinden wieder nach draußen. Magisch!

Die Eulen hier in der Greifvogelstation könnten sicherlich davon berichten. Für sie liegt Hogwarts nämlich in Hellenthal – denn immerhin waren sie für diese markante Filmszene die Stars vor der Kamera. „Die Dreharbeiten fanden in einem alten Schloss in Köln statt, die Aufnahmen wurden dann über die Szenen mit den Schauspielern gelegt“, erinnert sich Karl Fischer. Der 64-Jährige ist Chef des Greifvogel- und Wildtiergeheges in Nordrhein-Westfalen und begrüßt dort etwa 100.000 Besucher jährlich.


Autorin mit Adler (und viel Respekt)

Als wir vom DRIVE-Redaktionsteam die freie Journalistin Susanne Löw in die Eifel losgeschickt haben, dachten wir nicht daran, dass die Reportage zunächst im Harry-Potter-Schloss Hogwarts landen würde: Waren es doch die Eulen der Greifvogelstation Hellenthal, die als magische Begleiter der Zauberschüler ihren großen Auftritt in den berühmten Kinofilmen hatten. Susanne ist eine echte Weltenbummlerin, aber den Nachmittag mit Adler-Dame Aika auf dem Arm zählt sie mit zu den ganz persönlichen magischen Momenten ihres Lebens.

Magie ist harte Arbeit

Die Flugmanöver in Hogwarts waren natürlich weniger Magie als vielmehr Ergebnis eines intensiven Trainings. Die jahrzehntelange Nachzucht und Pflege von teils seltenen Vogelarten in Hellenthal sorgen für ein tiefes Verstehen und Vertrauen zwischen den Falknern und ihren Vögeln und machen solche spektakulären Auftritte bei Dreharbeiten erst möglich.

Die Tiere sind Beruf und Berufung

Filmproduktionen und Fotoaufnahmen sind aber nicht die einzigen Abenteuer, die einige der rund 260 Greifvögel regelmäßig erleben: „Wir treten überall auf – ob bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, beim ‚Supertalent‘ im TV oder in Westernshows“, erzählt Fischer. Er selbst hat 1970 als Lehrling in Hellenthal angefangen und seither sind der Park und seine Tiere für ihn Beruf und Berufung: „Wir trainieren auch Schauspieler und haben schon mit Erol Sander, Oliver Pocher, Frank Elstner und Stefan Raab gearbeitet. Sogar für Prinz Charles waren wir schon tätig.“ Selbst was in Hellenthal zum Alltag zählt, ist für Besucher spektakulär. In täglichen Flugshows, die während Corona für die Öffentlichkeit pausieren, erbeuten die Tiere spielerisch ihr Futter, das sie als Belohnung für Sturz- und Jagdflüge erhalten. Gleichzeitig trainieren sie dabei ihre Muskulatur, genau wie beim natürlichen Nahrungserwerb. Mehreren Adlern, Falken und Geiern zuzusehen, wie sie sich aus schwindelerregenden Höhen nach unten stürzen, um dann wieder durchzustarten – das ist für Zuschauer fast genauso magisch wie „Harry Potter“.

Schutz für Seltenes

In Hellenthal leben 260 Greifvögel aus 74 verschie­denen Arten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit inklusive Patenschaften, häufigen Dreharbeiten und Foto­aufnahmen sowie den täglichen Flugshows zählen Tier- und Artenschutz zu den wichtigsten Anliegen der Parkbetreiber Karl Fischer (Foto oben) und Ute Niesters. Besonders viel Zeit und Herzblut werden in die Haltung und Zucht von seltenen und bedrohten Arten investiert. Den amerikanischen Weißkopfseeadler (das Foto oben zeigt Adler-Dame Aika) haben sie beispielsweise bereits 90-mal nachgezogen – zwei Exemplare bekam Ronald Reagan im Jahr 1982.

Vom Banker zum Falkner

Neben zehn Festangestellten arbeiten rund 40 Ehrenamtliche in Hellenthal. Einer von ihnen ist Wolfgang Holtmeier. Ein Bankangestellter, der südlich von Hamburg wohnt. „Aika“, ruft Holtmeier laut in Richtung Himmel und klopft dabei auf den Falknerhandschuh an seiner linken Hand. Kurz darauf landet die 3,5 Kilogramm schwere Weißkopfseeadler-Dame wie selbstverständlich auf seinem Arm. Aika wurde vor 19 Jahren in Hellenthal geboren und ist der Liebling – nicht nur von Holtmeier und Fischer. „Das ist das freundlichste Tier, das ich kenne“, urteilt Holtmeier. „Auch Menschen, die noch nie mit Greifvögeln zu tun hatten, nimmt sie ans Händchen. Im wahrsten Wortsinn.“

Faszination Tierfotografie

Holtmeier erlebte mit ihr ebenfalls seine Anfänge. Denn dass ein Banker aus dem Norden ehrenamtlich als Falkner in Hellenthal arbeitet, hat natürlich seine ganz eigene Geschichte: 2008, als die Finanzmarktkrise wütete, suchte Holtmeier einen Ausgleich zu seinem stressigen Job als Vermögensberater und verbrachte viel Zeit mit der Fotografie. Erst in der Hamburger Speicherstadt, auf Tipp eines Freundes dann auch mal in Hellenthal, wo er zum ersten Mal Greifvögel vor der Linse hatte. „Schnell habe ich mich mit Karl Fischer angefreundet, der mir dann auch mal einen Vogel in die Hand gedrückt hat – Aika“, erinnert sich der 46-Jährige, der mittlerweile im Vertriebsmarketing seiner Bank arbeitet.

Faszination Natur in Hellenthal selbst erleben

Die Greifvogelstation und das Wildtiergehege Hellenthal liegen rund 80 Kilometer südwestlich von Köln und nahe dem Nationalpark Eifel. 1967 wurde das Gehege eröffnet, seit 2012 leiten Karl Fischer und Ute Niesters den Park. Jährlich wollen rund 100.000 Besucher aus einem Umkreis von 250 Kilometern die besondere Artenvielfalt erleben. In Seminaren können Gäste zudem selbst einen Tag zum Falkner werden.

Mehr Infos unter www.greifvogelstation-hellenthal.de

Adler mit Augenzwinkern

Da kann Wolfgang Holtmeier lange nach seinem Motiv suchen: Doch ganz so nah, wie ihn hier Adler-Dame Aika auf seinem Teleobjektiv sitzend an der Nase herumführt, kommt der ambitionierte Tierfotograf seinen bevorzugten Fotomotiven nicht immer. Um Tiere so perfekt in ihrem Lebensraum portraitieren zu können, wie hier mit seinen Fotos auf dieser Seite gezeigt, braucht es eine gehörige Portion Wissen über die Tiere, Sachverstand rund um die Fotografie-Technik und vor allem: jede Menge Geduld!

Leben im Takt der Tiere

„Als ich damals das erste Mal mit Aika auf dem Arm spazieren ging, bemerkte ich, welche Ruhe diese Tiere auf mich ausstrahlen. Da wusste ich: Ich will mehr“, berichtet Holtmeier. 2010 machte er daher den Jagd- und Falknerschein und verbrachte viel Zeit mit den Vögeln. Fotografierte sie. Studierte sie. Freundete sich mit ihnen an. Und heute verbringt er zwei bis drei Monate im Jahr in der Greifvogelstation, kommentiert Flugshows, beantwortet Besucherfragen und kümmert sich um die Tiere. Alles ehrenamtlich. „Die Pflege ist aufwendig, wir wiegen beispielsweise jeden Tag alle Vögel, um den Gesundheitszustand zu kontrollieren“, ergänzt er.

Freundschaft mit den Flugmeistern

Aber auch die Ausbildung braucht Zeit. „Wenn Greifvögel auf die Welt kommen, können sie noch gar nichts außer fressen und rufen“, beschreibt Holtmeier. „Daher zeigt man ihnen erst mal den Falknerhandschuh, dann auf gemeinsamen Spaziergängen den ganzen Park.“ Irgendwann folgen die ersten Flüge mit einer Lockschnur, nach vier bis fünf Monaten die freien Flüge. Kein Wunder, dass im Laufe der Zeit eine innige Beziehung entsteht. Vogel und Falkner erkennen sich, mögen sich, spielen miteinander.

Tierischer Lebensretter

Bei Holtmeier kommt noch etwas anderes dazu: Dankbarkeit. Nicht nur, weil ihm die Vögel auch heute noch den nötigen Ausgleich zum Berufsalltag bieten. Vor ein paar Jahren wurde eine schwere Krankheit bei ihm diagnostiziert. „Die Vögel haben mir während der Therapie sehr viel Kraft gegeben“, denkt der Falkner zurück. Seine Blutwerte wurden immer besser und mittlerweile gilt er als geheilt. Auch das ist eine magische Geschichte aus Hellenthal. Ende des Artikels

Den Moment einfangen: Foto-Workshops mit Greifvögeln

In Hellenthal werden neben Seminaren über Greifvögel auch eintägige Foto-Workshops mit maximal zehn Teilnehmern angeboten. Dazu zählen Theorie- und Praxisteil mit spektakulären Gelegenheiten, Greifvögeln nahezukommen. Wolfgang Holtmeier leitet die Kurse und sagt: „Tiere sind als Fotomotiv ehrlicher als Menschen. Der Vogel lacht natürlich nicht auf Kommando, die Herausforderung besteht daher darin, spannende Kontraste oder besondere Momente in seinem natürlichen Verhalten abzulichten.“

www.holtmeier.online

Teile diese Story

ABONNIEREN SIE KOSTENFREI IHRE DRIVE!

Die Subaru DRIVE erscheint zweimal im Jahr auch als gedrucktes Magazin. Mit dem kostenfreien Abo erhalten Sie die DRIVE druckfrisch in Ihren Briefkasten.

Jetzt abonnieren
Subaru LabDie VorausdenkerJetzt lesen